Soft Skills: 5 Schlüsselkompetenzen für den Beruf und 7 für Führung

Soft Skills mit Kommunikation, Teamarbeit, Problemlösung und Leadership
Kommunikation, Teamarbeit, Problemlösung und Leadership gehören zu den berufsübergreifend wichtigen Soft Skills.

Soft Skills klingen weich. Ihre Folgen sind es nicht: Fachwissen kann eine richtige Lösung hervorbringen. Ob Menschen diese Lösung verstehen, akzeptieren und konsequent umsetzen, hängt jedoch wesentlich von Kommunikation, Zusammenarbeit, Einflussnahme, Problemlösung und Führung ab.

Ein Beitrag der Harvard Business Review nennt fünf Fähigkeiten, die sich in nahezu jedem Beruf entwickeln lassen. Besonders interessant: Leadership wird dabei selbst als Soft Skill eingeordnet. Für die praktische Auswahl und Entwicklung von Führungskräften reicht dieser Oberbegriff allerdings nicht aus. Er muss in beobachtbare und messbare Führungskompetenzen übersetzt werden.

Definition: Was sind Soft Skills?

Soft Skills sind persönliche, soziale und kommunikative Fähigkeiten, mit denen Menschen ihr eigenes Verhalten steuern, Beziehungen gestalten, mit anderen zusammenarbeiten und ihr Fachwissen wirksam einsetzen.

Sie zeigen sich im konkreten Verhalten. Beispielsweise darin, ob jemand

  • komplexe Sachverhalte verständlich erklärt,
  • anderen aufmerksam zuhört,
  • Konflikte konstruktiv anspricht,
  • Menschen ohne Druck für eine Lösung gewinnt,
  • Probleme systematisch löst oder
  • Entscheidungen konsequent in Ergebnisse umsetzt.

Der Begriff „soft“ ist deshalb missverständlich. Diese Kompetenzen sind weder nebensächlich noch beliebig. Sie entscheiden häufig darüber, ob fachliche Fähigkeiten im Arbeitsalltag tatsächlich Wirkung entfalten.

Hard Skills beantworten die Frage:
Was weiß und beherrscht eine Person fachlich?

Soft Skills beantworten die Frage:
Wie setzt die Person ihr Wissen gemeinsam mit anderen wirksam ein?

Persönlichkeit beantwortet die Frage:
Welche relativ stabilen Muster im Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen dieses Verhalten?

Inhaltsverzeichnis

Warum Soft Skills über beruflichen Erfolg entscheiden

Berufliche Leistung entsteht nur selten durch Fachwissen allein. In Organisationen müssen Menschen Informationen austauschen, Entscheidungen abstimmen, Kunden überzeugen, Konflikte lösen und gemeinsam Ergebnisse erzielen.

Eine technisch richtige Entscheidung kann dennoch scheitern, wenn sie unverständlich kommuniziert wird. Ein gutes Konzept erzeugt keinen Nutzen, wenn wichtige Beteiligte nicht gewonnen werden. Und auch ein kreativer Lösungsvorschlag bleibt wirkungslos, wenn niemand Verantwortung für seine Umsetzung übernimmt.

Soft Skills beeinflussen deshalb, ob Menschen

  • Vertrauen aufbauen oder sich gegenseitig absichern,
  • Informationen offen teilen oder Probleme verbergen,
  • Verantwortung übernehmen oder auf Anweisungen warten,
  • Konflikte lösen oder über längere Zeit verdrängen,
  • Neues ausprobieren oder aus Angst vor Fehlern vermeiden sowie
  • Ziele umsetzen oder bei guten Absichten stehen bleiben.

Soft Skills sind damit kein Gegenpol zu Produktivität und Rentabilität. Sie beeinflussen vielmehr, ob die fachlichen und technischen Ressourcen eines Unternehmens in verlässliche Ergebnisse übersetzt werden.

Die Wirkungslogik: Hard Skills ermöglichen fachlich gute Lösungen. Soft Skills sorgen dafür, dass Menschen diese Lösungen verstehen, mittragen, verbessern und gemeinsam umsetzen.

Die 5 berufsübergreifenden Soft Skills

Marlo Lyons beschreibt in einem Beitrag der Harvard Business Review fünf Soft Skills, die sich grundsätzlich in jedem Beruf und in jeder Branche entwickeln lassen:

  1. wirksame Kommunikation,
  2. Teamarbeit,
  3. Einflussnahme ohne formale Autorität,
  4. Problemlösung und
  5. Leadership.

Ausgangspunkt des Beitrags ist eine berufliche Übergangssituation: Menschen müssen nach einem Arbeitsplatzverlust möglicherweise vorübergehend eine Tätigkeit außerhalb ihres bisherigen Berufsfeldes übernehmen. Diese Beschäftigung muss jedoch kein verlorener Karriereabschnitt sein. Sie kann dazu genutzt werden, Fähigkeiten zu trainieren, die branchenübergreifend gebraucht werden.

Diese Einordnung ist auch unabhängig von einem Arbeitsplatzwechsel relevant. Die fünf Kompetenzfelder zeigen, welche Verhaltensweisen Menschen in nahezu jeder beruflichen Funktion weiterentwickeln können.

1. Wirksame Kommunikation

Kommunikation bedeutet nicht, möglichst viel zu sprechen. Entscheidend ist, ob eine Botschaft bei der jeweiligen Zielgruppe verständlich ankommt und zu einer sinnvollen Handlung führt.

Eine wichtige Fähigkeit besteht darin, komplexe Probleme so zu vereinfachen, dass unterschiedliche Adressaten sie nachvollziehen können. Ein Vorstand benötigt möglicherweise eine kurze Entscheidungsgrundlage, ein Projektteam konkrete Arbeitsschritte und ein Kunde eine verständliche Erklärung des Nutzens.

Wirksame Kommunikation berücksichtigt außerdem, dass Menschen Informationen unterschiedlich aufnehmen. Manche benötigen klare Orientierung und konkrete Vorgaben. Andere reagieren besser auf Fragen, Entscheidungsspielräume und die Möglichkeit, eigene Lösungen zu entwickeln.

Woran erkennt man wirksame Kommunikation?

  • Komplexe Sachverhalte werden verständlich erklärt.
  • Ziele, Erwartungen und Verantwortlichkeiten sind eindeutig.
  • Argumente werden an die jeweilige Zielgruppe angepasst.
  • Die Person hört zu und prüft, ob ihre Botschaft verstanden wurde.
  • Nach Gesprächen ist klar, was als Nächstes geschieht.

Beispiel aus der Führungspraxis

Eine Führungskraft verkündet nicht lediglich, dass „die Kundenorientierung verbessert werden muss“. Sie erklärt, welches konkrete Kundenproblem besteht, welche Kennzahl verbessert werden soll, welchen Beitrag das Team leisten kann und bis wann erste Ergebnisse erwartet werden.

Erst dadurch wird aus einer allgemeinen Forderung eine verständliche und handlungsleitende Botschaft.

2. Teamarbeit

Teamarbeit wird häufig mit Harmonie oder Kollegialität gleichgesetzt. Das greift zu kurz. Ein Team ist erst dann leistungsfähig, wenn seine Mitglieder unterschiedliche Fähigkeiten und Perspektiven für ein gemeinsames Ergebnis einsetzen.

Dazu müssen Aufgaben und Verantwortlichkeiten geklärt, Informationen geteilt und Konflikte konstruktiv gelöst werden. Gerade die Zusammenarbeit mit Menschen, die anders denken und handeln, bietet eine Gelegenheit, die eigene Teamfähigkeit weiterzuentwickeln.

Woran erkennt man gute Teamarbeit?

  • Gemeinsame Ziele haben Vorrang vor persönlichen Interessen.
  • Aufgaben und Verantwortlichkeiten sind nachvollziehbar verteilt.
  • Unterschiedliche Sichtweisen werden gehört und sachlich geprüft.
  • Konflikte werden angesprochen, bevor sie die Zusammenarbeit blockieren.
  • Vereinbarungen und Termine werden zuverlässig eingehalten.

Teamgeist ist mehr als ein gutes Arbeitsklima

Ein freundliches Miteinander ist wertvoll, aber noch kein Beleg für Teamleistung. Ein Team kann harmonisch wirken und dennoch Entscheidungen vermeiden, schwache Leistungen tolerieren oder Verantwortung auf andere abschieben.

Wirksame Teamarbeit verbindet gegenseitigen Respekt mit Verbindlichkeit: Jeder leistet einen erkennbaren Beitrag zum gemeinsamen Ergebnis.

3. Einflussnahme ohne formale Autorität

Viele berufliche Aufgaben lassen sich nicht allein mit hierarchischer Macht lösen. Projektleiter, Experten, Berater oder Mitarbeiter in bereichsübergreifenden Teams müssen andere Menschen gewinnen, obwohl diese ihnen nicht direkt unterstellt sind.

Einflussnahme ohne formale Autorität bedeutet, andere mit guten Argumenten, Vertrauen und einem Verständnis ihrer Interessen für eine Lösung zu gewinnen. Dabei reicht es nicht, die eigene Sichtweise immer wieder zu wiederholen.

Erfolgreiche Einflussnahme beginnt mit Perspektivübernahme:

  • Welche Interessen verfolgt die andere Person?
  • Welche Risiken sieht sie?
  • Welche bisherigen Erfahrungen prägen ihre Einschätzung?
  • Welcher Nutzen der vorgeschlagenen Lösung ist für sie relevant?
  • Welche Geschwindigkeit der Veränderung ist realistisch?

Überzeugen statt überreden

Überreden erzeugt häufig kurzfristige Zustimmung, aber wenig Verbindlichkeit. Überzeugen bedeutet dagegen, die andere Person in den Denk- und Entscheidungsprozess einzubeziehen.

Wer Einfluss nehmen möchte, muss deshalb zuhören, Einwände ernst nehmen und die eigene Lösung so weiterentwickeln, dass sie auch aus der Sicht anderer Beteiligter tragfähig wird.

4. Problemlösung

Probleme treten in jedem Beruf auf. Der Unterschied besteht darin, ob Menschen nur Symptome beseitigen oder die eigentlichen Ursachen erkennen und dauerhaft wirksame Lösungen entwickeln.

Gute Problemlösung verbindet strukturiertes Denken mit Kreativität. Dazu gehören:

  • das Problem präzise beschreiben,
  • Ursachen von Symptomen unterscheiden,
  • relevante Informationen sammeln,
  • mehrere Handlungsalternativen entwickeln,
  • Nutzen, Aufwand und Risiken abwägen,
  • eine Lösung umsetzen und
  • die Wirkung anschließend kontrollieren.

Beispiel: Das falsche Problem lösen

Wenn ein Projekt immer wieder Termine überschreitet, könnte die erste Reaktion lauten, mehr Druck auf das Team auszuüben. Die eigentliche Ursache kann jedoch in ständig wechselnden Prioritäten, unklaren Zuständigkeiten oder fehlenden Entscheidungen liegen.

Eine gute Problemlösung setzt deshalb nicht vorschnell bei den sichtbaren Folgen an, sondern fragt: Was verursacht die Abweichung tatsächlich?

Erst nach der Umsetzung zeigt sich, ob die Lösung funktioniert. Deshalb gehört die Erfolgskontrolle zwingend zur Problemlösung.

5. Leadership

Lyons ordnet auch Leadership als berufsübergreifende Soft Skill ein. Gemeint ist die Fähigkeit, andere Menschen anzuleiten und zu beeinflussen, damit sie ihre Fähigkeiten für ein gemeinsames Ziel einsetzen.

Leadership ist nicht zwingend an eine formale Führungsposition gebunden. Auch Projektmitarbeiter, Experten oder informelle Meinungsführer können Orientierung geben, andere unterstützen und Verantwortung für gemeinsame Ergebnisse übernehmen.

Als Oberbegriff bleibt Leadership jedoch sehr allgemein. Die Aussage, jemand besitze „Leadership“, beantwortet noch nicht,

  • welches Verhalten diese Person im Alltag zeigt,
  • wie sie mit Mitarbeitern und Kollegen umgeht,
  • wie sie Ziele vermittelt,
  • wie sie Entscheidungen trifft,
  • wie sie Konflikte löst oder
  • ob sie Vorhaben konsequent umsetzt.

Für Personalauswahl, Potenzialanalyse und Führungskräfteentwicklung muss Leadership deshalb in konkrete, beobachtbare Verhaltensweisen übersetzt werden.

Leadership konkret: 7 Kompetenzen wirksamer Führung

In den Forschungsprojekten des Instituts für Management-Innovation wurde Leadership für den deutschen Führungskontext operationalisiert und empirisch überprüft. Daraus ergeben sich sieben zentrale Führungskompetenzen.

Diese Übersicht stellt das Modell bewusst nur knapp dar. Die ausführlichen Definitionen, Verhaltensindikatoren, empirischen Belege und Publikationen finden Sie auf der Startseite Führungskompetenzen: Definition und 7 Schlüsselkompetenzen .

1. Vorbild und Vertrauen

Werte vorleben, Zusagen einhalten und Verantwortung für Entscheidungen und Fehler übernehmen.

2. Ziele und Perspektiven

Die Strategie in verständliche Ziele, Prioritäten und Erwartungen übersetzen und dadurch Orientierung geben.

3. Lernen und Stärken

Potenziale erkennen, konstruktives Feedback geben und Aufgaben übertragen, an denen Mitarbeiter wachsen können.

4. Fairness und Beziehungen

Nach nachvollziehbaren Maßstäben handeln, unterschiedliche Sichtweisen anhören und Konflikte konsequent bearbeiten.

5. Ergebnisse und Erfolgserlebnisse

Realistische Ziele vereinbaren, Hindernisse beseitigen, Fortschritte sichtbar machen und Beiträge würdigen.

6. Unternehmerisches Handeln

Eigeninitiative fördern sowie Kundennutzen, Kosten, Chancen und Risiken in Entscheidungen einbeziehen.

7. Umsetzungskompetenz

Prioritäten setzen und Ziele auch bei Ablenkungen, Widerständen und Rückschlägen konsequent verfolgen.

Der entscheidende Unterschied: „Leadership“ ist ein plausibler Oberbegriff. Die sieben Führungskompetenzen beschreiben dagegen konkretes Verhalten, das beobachtet, beurteilt und entwickelt werden kann.

Wie lassen sich Soft Skills entwickeln?

Soft Skills sind entwickelbar. Ein Seminar oder Fachbuch allein verändert das Verhalten jedoch selten dauerhaft. Entscheidend ist die Verbindung aus Diagnose, konkretem Verhaltensziel, praktischer Anwendung und Rückmeldung.

1. Zuhörtouren: Die Arbeitsrealität kennenlernen

Bei einer Zuhörtour besucht eine Führungskraft Mitarbeiter dort, wo die tägliche Arbeit stattfindet. Das kann durch Einzelgespräche, kleine Gesprächsrunden oder informelle Besuche erfolgen.

Dabei geht es nicht um Kontrolle. Die Führungskraft stellt Fragen und versucht zu verstehen,

  • welche Hindernisse die Arbeit erschweren,
  • welche Entscheidungen fehlen,
  • wo unnötige Bürokratie entsteht,
  • welche Konflikte nicht offen ausgesprochen werden und
  • welche Unterstützung tatsächlich benötigt wird.

Zuhörtouren fördern Kommunikation, Empathie, Problemlösung und Vertrauen. Sie verhindern außerdem, dass Entscheidungen ausschließlich auf Informationen aus Berichten und Sitzungen beruhen.

2. Empathy Shadowing: Mitarbeiter bei der Arbeit begleiten

Beim Empathy Shadowing begleitet eine Führungskraft einen Mitarbeiter für einen begrenzten Zeitraum bei seiner täglichen Arbeit.

Dadurch werden Probleme unmittelbar sichtbar. Die Führungskraft erkennt beispielsweise,

  • welche widersprüchlichen Anforderungen auftreten,
  • wo Informationen fehlen,
  • welche Systeme oder Prozesse unnötig Zeit kosten,
  • wie Kunden tatsächlich reagieren und
  • welche Folgen frühere Managemententscheidungen im Alltag haben.

Empathie bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Mitleid. Es geht um ein zutreffenderes Verständnis der Perspektive und Arbeitsbedingungen anderer Menschen.

3. Reverse Mentoring: Von anderen Perspektiven lernen

Beim Reverse Mentoring lernt eine erfahrene Führungskraft bewusst von Menschen mit anderen Erfahrungen, Funktionen, Generationen oder fachlichen Hintergründen.

Beispielsweise kann ein jüngerer Mitarbeiter Einblicke in neue Technologien, digitale Kommunikation oder veränderte Erwartungen von Bewerbern geben. Ein Mitarbeiter aus dem Kundenservice kennt andere Probleme als ein Mitglied der Geschäftsleitung.

Reverse Mentoring hilft, blinde Flecken zu erkennen und Entscheidungen aus Perspektiven zu betrachten, die im eigenen Führungskreis sonst kaum vorkommen.

4. Allgemeine Vorsätze in konkretes Verhalten übersetzen

Ein Ziel wie „Ich möchte besser kommunizieren“ ist nicht überprüfbar. Entwicklung beginnt erst, wenn ein allgemeiner Begriff in beobachtbares Verhalten übersetzt wird.

Konkrete Verhaltensziele können beispielsweise lauten:

  • In jedem Mitarbeitergespräch mindestens zwei offene Fragen stellen.
  • Entscheidungen mit Ziel, Begründung und Verantwortlichkeit erklären.
  • Konflikte innerhalb einer vereinbarten Frist ansprechen.
  • Nach Sitzungen Entscheidungen und nächste Schritte festhalten.
  • Einmal monatlich ein konkretes Entwicklungsfeedback geben.
  • Vor einer Entscheidung gezielt die Sichtweise Betroffener einholen.

5. Rückmeldung aus mehreren Perspektiven einholen

Die eigene Wahrnehmung ist bei sozialen Fähigkeiten nur begrenzt zuverlässig. Eine Führungskraft kann sich für sehr klar, fair oder empathisch halten, während Mitarbeiter ihr Verhalten anders erleben.

Ein 360-Grad-Feedback vergleicht deshalb das Selbstbild mit Einschätzungen von Mitarbeitern, Kollegen, Vorgesetzten und gegebenenfalls Kunden.

Entscheidend ist allerdings, dass das Feedback nicht beim Bericht endet. Aus den Ergebnissen müssen wenige, konkrete Verhaltensziele, praktische Maßnahmen und eine spätere Erfolgskontrolle entstehen.

Wie lassen sich Soft Skills messen?

Soft Skills sind als abstrakte Begriffe nicht direkt sichtbar. Sichtbar ist das Verhalten, durch das sie sich im Berufsalltag zeigen.

Die Aussage „Diese Person besitzt Kommunikationsfähigkeit“ ist kaum überprüfbar. Aussagekräftiger sind konkrete Fragen:

  • Formuliert die Person Ziele und Erwartungen verständlich?
  • Begründet sie Entscheidungen nachvollziehbar?
  • Hört sie andere Sichtweisen an, bevor sie urteilt?
  • Spricht sie Konflikte rechtzeitig und sachlich an?
  • Hält sie Zusagen und Vereinbarungen zuverlässig ein?
  • Prüft sie, ob eine umgesetzte Lösung tatsächlich funktioniert?

Ein aussagekräftiges Verfahren sollte mindestens vier Voraussetzungen erfüllen:

  • Beobachtbares Verhalten: Die Aussagen müssen konkrete Situationen aus dem Arbeitsalltag beschreiben.
  • Objektivität: Durchführung, Auswertung und Interpretation sollten möglichst wenig von subjektiven Einflüssen abhängen.
  • Reliabilität und Validität: Das Verfahren muss zuverlässig messen und tatsächlich die vorgesehenen Kompetenzen erfassen.
  • Vergleichsdaten: Ein individuelles Ergebnis wird erst durch eine geeignete Bezugsgruppe sinnvoll interpretierbar.

Einen validierten Test grundlegender Management- und Soft Skills finden Sie unter Kernkompetenzen des Managements .

Eine Potenzialanalyse zeigt ergänzend, welche Voraussetzungen für zukünftige Aufgaben vorhanden sind. Bei Führungskräften ist außerdem der Vergleich von Selbst- und Fremdbild besonders wertvoll.

Soft Skills in Bewerbung und Lebenslauf überzeugend darstellen

Allgemeine Selbstaussagen wie „teamfähig“, „kommunikativ“ oder „lösungsorientiert“ besitzen wenig Aussagekraft. Nahezu jeder Bewerber kann diese Begriffe verwenden.

Überzeugender sind konkrete Situationen, Handlungen und Ergebnisse. Beschreiben Sie nicht nur, welche Aufgabe Sie hatten, sondern welchen Beitrag Ihre Soft Skills zur Lösung eines Problems geleistet haben.

Zu allgemein:
„Ich bin kommunikativ und arbeite gerne im Team.“

Aussagekräftiger:
„Ich koordinierte ein bereichsübergreifendes Projektteam, klärte widersprüchliche Anforderungen mit den Beteiligten und führte das Projekt innerhalb des vereinbarten Zeitplans zum Abschluss.“

Gute Nachweise folgen einer einfachen Struktur:

  1. Welche Situation oder Herausforderung bestand?
  2. Welche konkrete Handlung haben Sie übernommen?
  3. Welche Soft Skill wurde dabei sichtbar?
  4. Welches Ergebnis ist entstanden?

Auch Tätigkeiten außerhalb des bisherigen Berufsfeldes können dabei wertvolle Belege liefern. Kundenkontakt, Schichtkoordination, Reklamationsbearbeitung oder die Lösung alltäglicher Betriebsprobleme zeigen häufig mehr über Kommunikation, Verantwortung und Problemlösung als eine bloße Liste von Eigenschaften.

Häufige Fragen zu Soft Skills

Was sind Soft Skills einfach erklärt?

Soft Skills sind persönliche, soziale und kommunikative Fähigkeiten. Sie bestimmen, wie Menschen mit sich selbst und anderen umgehen, zusammenarbeiten, Probleme lösen und ihr Fachwissen in wirksames Verhalten übersetzen.

Was ist der Unterschied zwischen Hard Skills und Soft Skills?

Hard Skills sind fachliche und technische Fähigkeiten, beispielsweise Rechnungswesen, Programmierung, Konstruktion oder Projektplanung. Soft Skills betreffen den Umgang mit sich selbst und anderen Menschen, etwa Kommunikation, Teamarbeit, Einflussnahme, Problemlösung und Selbststeuerung.

Welche fünf Soft Skills nennt die Harvard Business Review?

Marlo Lyons nennt in einem Beitrag der Harvard Business Review wirksame Kommunikation, Teamarbeit, Einflussnahme ohne formale Autorität, Problemlösung und Leadership. Die Auswahl ist berufs- und branchenübergreifend angelegt.

Ist Leadership eine Soft Skill?

Ja. Leadership bezeichnet die Fähigkeit, Menschen zu orientieren, zu beeinflussen und für gemeinsame Ziele zu gewinnen. Für die praktische Diagnose ist der Begriff jedoch zu allgemein. Deshalb muss Leadership in konkrete Verhaltensweisen und Führungskompetenzen übersetzt werden.

Welche Soft Skills brauchen Führungskräfte?

Führungskräfte benötigen insbesondere Integrität, Vertrauenswürdigkeit, klare Kommunikation, Empathie, Fairness, Konfliktfähigkeit, unternehmerisches Denken und Umsetzungskompetenz. Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser Fähigkeiten.

Sind Soft Skills angeboren?

Soft Skills werden von der Persönlichkeit beeinflusst, sind aber nicht vollständig angeboren. Konkretes Kommunikations-, Konflikt- und Führungsverhalten kann durch Rückmeldung, Übung und praktische Erfahrung weiterentwickelt werden.

Kann man Soft Skills in einem Seminar lernen?

Ein Seminar kann Begriffe, Methoden und Handlungsalternativen vermitteln. Dauerhafte Entwicklung entsteht jedoch erst, wenn das neue Verhalten im Arbeitsalltag erprobt, reflektiert und durch regelmäßiges Feedback überprüft wird.

Wie kann man Soft Skills messen?

Soft Skills werden über konkrete Verhaltensindikatoren gemessen. Dazu gehören validierte Fragebögen, strukturierte Interviews, Verhaltensbeobachtungen und 360-Grad-Feedback. Vergleichsdaten helfen, ein individuelles Ergebnis sinnvoll einzuordnen.

Werden Soft Skills durch künstliche Intelligenz wichtiger?

Künstliche Intelligenz kann Informationen analysieren, Texte erstellen und Routineaufgaben beschleunigen. Menschen müssen Ergebnisse jedoch weiterhin beurteilen, Verantwortung übernehmen, Konflikte lösen und andere für Entscheidungen und Veränderungen gewinnen. Dadurch bleiben Soft Skills für Zusammenarbeit und Führung besonders relevant.

Fazit: Soft Skills machen Fachwissen wirksam

Soft Skills sind keine beliebige Sammlung positiv klingender Eigenschaften. Sie zeigen sich im Verhalten und beeinflussen, ob Menschen Informationen verstehen, Konflikte lösen, Verantwortung übernehmen und gemeinsame Ziele umsetzen.

Die fünf von Lyons beschriebenen Kompetenzfelder bieten eine berufsübergreifende Orientierung: Kommunikation, Teamarbeit, Einflussnahme, Problemlösung und Leadership. Für Führungskräfte muss Leadership anschließend konkreter gefasst werden. Die sieben empirisch überprüften Führungskompetenzen zeigen, welches Verhalten Vertrauen, Orientierung, Eigenverantwortung und Ergebnisse fördert.

Der entscheidende Schritt besteht darin, abstrakte Begriffe in beobachtbares Verhalten zu übersetzen. Erst dann lassen sich Soft Skills zuverlässig beurteilen, gezielt entwickeln und an ihren Ergebnissen messen.

Über den Autor und das Forschungsprojekt

Prof. Dr. Waldemar Pelz – Führungskompetenzen und Managementdiagnostik

Prof. Dr. Waldemar Pelz ist Professor für Internationales Management und Geschäftsführer des Instituts für Management-Innovation, einer Ausgründung aus der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Seine Arbeitsschwerpunkte sind validierte Führungsdiagnostik, Persönlichkeit, Führungspotenzial, Umsetzungskompetenz und Empathie in der Führung.

Die dargestellten Führungskompetenzen beruhen auf Forschungs- und Praxisprojekten des Instituts. Die Kompetenzen wurden durch konkrete Verhaltensindikatoren operationalisiert und für den deutschen Führungskontext empirisch überprüft.

Literatur und Quellen

Lyons, M. (2023, February 28). 5 Essential Soft Skills to Develop in Any Job. Harvard Business Review.

Pelz, W. (2016). Transformationale Führung – Forschungsstand und Umsetzung in der Praxis. In Wirksame und nachhaltige Führungsansätze. Springer.

Pelz, W. (2017). Umsetzungskompetenz als Schlüsselkompetenz für Führungspersönlichkeiten. Springer.

Pelz, W. (2023). Persönlichkeit gewinnt. Schäffer-Poeschel.

Pelz, W. (2024). Führungstalente objektiv beurteilen. Springer Gabler.

Pelz, W. (2026). Empathie in der Führung: Wie Sie Vertrauen aufbauen und Beziehungen stärken. Springer Gabler.